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November 2010

Quelle: Newsletter der Deutschen Rentenversicherung vom 23. März 2010

Reha-Forschung Aktuell: "Arbeitsplatzphobie" - eine ernsthafte Krankheit

Die Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation an der Charité legt ihren Abschlussbericht zum Forschungsprojekt "Arbeitsplatzbezogene Ängste und Arbeitsplatzphobie bei Patienten in der psychosomatischen und kardiologischen Rehabilitation" vor.

Das von der Deutschen Rentenversicherung Bund geförderte Forschungsprojekt untersuchte in einem Zeitraum von zwei Jahren die sozialmedizinische Bedeutung und den Einfluss verschiedener arbeitsplatzbezogener Ängste auf das Erwerbsleben und auf den Rehabilitationsverlauf bzw. -erfolg am Beispiel von Rehabilitanden/innen einer Einrichtung mit einer psychosomatischen und einer kardiologischen Abteilung.

Arbeitsplatzbezogene Ängste können danach unter anderem Anpassungsstörungen (nach Team-, Vorgesetzten- oder Aufgabenwechsel) oder so genannte posttraumatische Belastungsstörungen (z.B.Traumata nach Unfall am Arbeitsplatz) sein.

Die Studie gelangt zu der Schlussfolgerung, dass diese Ängste - bislang häufig als "durch Willenskraft überwindbare generelle Arbeitsvermeidung" klassifiziert - einen "unterschätzten Anteil an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Beeinträchtigungen" im Erwerbsleben haben. Die Wissenschaftler kommen in der Studie zu dem Ergebnis, dass Arbeitnehmer mit solchen Ängsten ernsthaft erkrankt sind und qualifizierte Unterstützung benötigen.

Die Forscher formulieren damit sehr vorsichtig einen Paradigmenwechsel in der Einschätzung der untersuchten Ängste in Richtung einer "Anerkennung als krankheitswertige psychische Beeinträchtigung" und die sich daraus ergebenden Handlungskonsequenzen.

Als wesentliche Einflussfaktoren auf die Entstehung arbeitsplatzbezogener Ängste stellt der Bericht einerseits die konkreten Bedingungen am Arbeitsplatz, andererseits spezielle Berufsfelder (wie z.B. medizinische bzw. pflegerische Berufe) aber auch fehlende Berufsausbildung heraus.

Das bedeutet nach Auffassung der Wissenschaftler ein Umdenken für Arbeitgeber aber auch für Rehabilitationsträger. Werden diese Ängste als Krankheit ernst genommen, ergeben sich veränderte Handlungskonsequenzen: So wirken soziale Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte aber auch individueller Handlungsspielraum und Möglichkeiten zur eigenverantwortlichen Gestaltung des Arbeitsplatzes sowie eine solide Berufsausbildung der Arbeitsplatzangst entgegen. Auch im Rahmen der Rehabilitation, insbesondere bereits während der Anamnese und Statuserhebung sollte die konkrete Arbeitsplatzsituation in den Blick genommen werden, um eine Individuelle Therapie zu ermöglichen. Schließlich richtet sich eine Forderung speziell auch an die Politik: Eine abgeschlossene Berufsausbildung - ermöglicht bspw. durch spezielle Förderprogramme - wirkt arbeitsplatzassoziierten Ängsten entgegen.

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